Aszendent Fische
Nach den ersten Sätzen mit einem fremden Menschen weißt du manchmal mehr über seine Stimmung als über seinen Beruf. Die astrologische Deutung verbindet diese feine Wahrnehmung mit dem Fische. Weil der Aszendent beschreibt, wie du Unbekanntem begegnest, zeigt sich das Durchlässige dieses Zeichens vor allem am Anfang: Du nimmst eher auf, als dass du zugreifst, und lässt einem Gegenüber Raum, ohne es gleich einzuordnen. Der Eindruck, den du dabei hinterlässt, kann einem Aquarell gleichen, dessen Farben auf feuchtem Papier ineinanderlaufen: freundlich und offen, aber schwer auf eine einzige Farbe festzulegen.
Fakten im Überblick
- Element
- Wasser
- Qualität
- Veränderlich
- Polarität
- Yin (Erd- und Wasserzeichen)
- Herrscher
- Jupiter (klassisch), Neptun (modern)
- Gegenzeichen
- Jungfrau
- Aufgangsdauer in München (48,1° N)
- 59 Min. (4,1 % der Geburten)
- Aufgangsdauer in Frankfurt (50,1° N)
- 55 Min. (3,9 % der Geburten)
- Aufgangsdauer in Berlin (52,5° N)
- 50 Min. (3,5 % der Geburten)
Die Aufgangsdauer ist die Zeit, die das Zeichen braucht, um am östlichen Horizont aufzusteigen. Der Anteil der Geburten setzt voraus, dass sich die Geburten gleichmäßig über den Tag verteilen.
Was es bedeutet
Während manche Aszendenten Neues zuerst prüfen oder anpacken, gilt der Aszendent Fische in der Astrologie als ein Zugang, der mit Lauschen beginnt: Bevor du eingreifst, lässt du die Dinge oft erst geschehen. Dahinter steht das Durchlässige, das die Tradition in den Fischen sieht, mit seinem Mitgefühl, seiner Fantasie und der Ahnung, dass alles mit allem zusammenhängt. Die Fische gehören zum Wasser, das sich gegenüber Unbekannten als Einfühlung zeigen kann: Menschen, die dich gerade erst treffen, fühlen sich oft schnell verstanden, ohne viel erklären zu müssen. Als letztes der veränderlichen Zeichen beschließen die Fische auf der Nordhalbkugel den Winter; die Deutung liest darin Anpassung und Übergang, und so kann sich dein Stil von Begegnung zu Begegnung ein wenig wandeln.
Jupiter gilt als klassischer der Fische. Er kann deinem Zugehen auf andere Weite und Wohlwollen geben: die Bereitschaft, Unbekannten mit einem Vorschuss an Vertrauen zu begegnen. Den modernen Herrscher der Fische sieht die Astrologie in Neptun, dem Planeten der verschwimmenden Grenzen und der Vorstellungskraft; durch ihn kann dein erster Eindruck weich und schwer greifbar wirken. Dazu kommt eine Offenheit für das Unerklärliche: Was sich an einem Ort oder in einem Menschen nicht auf Anhieb benennen lässt, nimmst du oft ernst, ohne es sofort zu prüfen. Und einen ungeschickten ersten Satz trägst du jemandem, den du gerade kennenlernst, selten nach.
Wie es sich zeigen kann
Seit der Schulzeit trifft sich die Clique deiner Freundin auf einer Hütte in den Bergen, und diesmal nimmt sie auch dich mit. Oben stellt sich heraus, dass niemand an einen Schlafplatz für dich gedacht hat. Bevor sich jemand entschuldigen kann, winkst du ab, rollst deinen Schlafsack auf der Ofenbank aus und hilfst, die Laternen anzuzünden. Am nächsten Abend haben zwei aus der Runde ihre Schlafsäcke neben deinen gelegt, und in eurer Ecke wird bis spät in die Nacht erzählt.
Im Nachtzug teilst du das Abteil mit einer älteren Frau, die beim Einsteigen nur knapp grüßt. Du hebst ihren Koffer ins Gepäcknetz und schaust mit ihr schweigend auf die Lichter draußen. Irgendwann beginnt sie zu erzählen: von ihrem Bruder, den sie besuchen will, und von dem, was zwischen ihnen vor langer Zeit schiefgelaufen ist. Als der Zug am Morgen hält, kennst du ihre halbe Familiengeschichte, und nach deinem Namen fragt sie erst beim Aussteigen.
Deine erste eigene Stadtführung hat gerade begonnen, und am zweiten Halt merkst du bereits, dass die Gruppe von Daten und Namen genug hat. Du klappst die Mappe zu und erzählst die Sage vom alten Wachturm so, wie du sie dir als Kind ausgemalt hast, mit dem Wind in den Zinnen. Am Ende bleibt eine Teilnehmerin stehen und fotografiert den Turm, als sähe sie ihn neu. Die Deutung erkennt darin das Wandelbare dieses Aszendenten, der sich nach der Stimmung richtet, bevor er dem Plan folgt.
Spannungen
Zwei neue Bekannte aus ganz unterschiedlichen Kreisen lernen sich durch dich kennen, und als die Rede auf dich kommt, klingt es, als ginge es um zwei verschiedene Menschen. Wie ein Echo in einem Gewölbe hast du jeden Ruf aufgenommen und etwas weicher zurückgegeben, und das kann anderen das Gefühl geben, gehört zu werden. Darin liegt die andere Seite der Wandelbarkeit, die die astrologische Sicht den Fischen zuschreibt: Die Anpassung, die Begegnungen leicht macht, kann den eigenen Standpunkt im Ungefähren lassen. Ein eigener Satz, früh gesagt, kann zeigen, wo du gerade stehst.
Die Offenheit ohne Urteil, die die Deutung mit diesem Aszendenten verknüpft, kann auf Fremde wie eine Einladung wirken. Ein Zwiespalt entsteht, wenn du eigentlich weiterwillst und die Person neben dir gerade erst ins Erzählen kommt. Auf der einen Seite steht ein Mitgefühl, das niemanden abweist, auf der anderen eine Grenze, hinter der deine Zeit und deine Aufmerksamkeit dir selbst gehören. Beides ist berechtigt, und welche Seite gerade den Vorrang bekommt, entscheidet sich oft erst im Moment selbst.
Im Zusammenspiel
Die weiche, aufnehmende Art des Aszendenten Fische gilt für die ersten Momente einer Begegnung; für das, was später zum Vorschein kommt, sorgt das übrige Horoskop mit, allen voran Sonne und Mond. Eine Sonne im Löwen kann dem leisen Anfang bald einen selbstbewussten Kern entgegensetzen, ein Mond im Widder eine rasche, spontane Antwort. Ist auch dein Sternzeichen oder dein Fische, kann sich das Empfängliche weiter durchziehen; mehr dazu bei der Sonne in den Fischen und beim Mond in den Fischen.
Während die Fische im Osten aufsteigen, geht im Westen die Jungfrau unter; als liegt sie am . Klarheit, Sorgfalt und ein Blick, der unterscheidet, wo du eher verbindest, können dich darum nach astrologischer Deutung an anderen besonders ansprechen. Zusammen bilden beide Zeichen eine zwischen Hingabe und Genauigkeit. Wichtig ist auch, in welchem Zeichen und Jupiter und Neptun bei dir stehen; wofür jedes Haus steht, verraten die zwölf Häuser. Mehr Entschiedenheit kann der fließende Stil durch Mars in Aszendentennähe bekommen, und jeder andere Planet an dieser Stelle bringt ebenso sein Thema ein.
Fragen zum Nachdenken
- Auf welchen ersten Eindruck von einem Menschen hast du schon vertraut, obwohl du ihn nicht begründen konntest?
- Wann stößt dein Zuhören bei einem neuen Kontakt an eine Grenze, und was tust du dann?
- Welche Redewendungen einer fremden Gruppe hast du zuletzt übernommen, und welche eigenen hast du in sie hineingetragen?
- Aus welcher Vorstellung schöpfst du, wenn du etwas Neues beginnst, und welcher greifbare Schritt holt sie in den Alltag?
- Wie antwortest du, wenn dir jemand, den du eben kennengelernt hast, etwas sehr Persönliches anvertraut?